Reise nach Finnland

Abgeordnete der Grünen Fraktion auf Bildungstour durch Helsinki

Vertreter*innen der Grünen Fraktion Hamburg reisen am 9. August 2022 nach Helsinki für einen viertägigen Aufenthalt. Im Fokus der Reise steht das finnische Bildungssystem, das als europäischer Vorreiter gilt. Wie wird in Helsinki gelehrt und gelernt? Welchem Leitbild folgt die Bildungspolitik? Und welche Rolle spielen die Bildungsstätten für Leben und Entwicklung der Metropole? Dafür besuchen die grünen Abgeordneten verschiedene Bildungseinrichtungen und begegnen Menschen, die die finnische Erfolgsgeschichte möglich machen, etwa Bildungsministerin Li Anderson.

Dominik Lorenzen, Vorsitzender der Grünen Fraktion Hamburg: „Die Bedeutung von Bildung kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Gute Bildung ist Grundlage für ein erfolgreiches, selbstbestimmtes Leben. Finnland ist eine erfolgreiche, sehr fortschrittliche Bildungsnation. Unsere diesjährige Fraktionsreise steht daher ganz im Zeichen der Frage, wie Bildung im 21.Jahrhundert gelingt, die junge Menschen dazu befähigt, ihren eigenen Weg zu gehen – und welche Bedingungen dafür geschaffen werden müssen. Eine wichtige Bedingung sind Räume, die ein selbstständiges, kooperatives Lernen erst ermöglichen. Moderne Bildungseinrichtungen sind nicht nur Lehrstätten, sondern integrale Bestandteile einer Stadtentwicklung, die die Bedürfnisse der Menschen vor Ort in den Blick nimmt und gemeinschaftliches Miteinander ermöglicht. Die finnische Hauptstadt hat uns hier an einigen Stellen etwas voraus. Auf unserer Tour wollen wir deshalb von Helsinki lernen und danach mit Inspiration und wichtigen Erkenntnissen für Hamburg die Heimreise antreten.“

 

Ivy May Müller, Fachsprecherin für Bildung der Grünen Fraktion Hamburg: „Finnland ist ein Vorreiter in Europa für eine moderne, inklusive und progressive Bildung. Eine Bildung, die den einzelnen jungen Menschen ernst nimmt und ihn in seiner Entwicklung sowie Selbstbestimmung in einer komplexen Welt voller globaler Herausforderungen bestmöglich unterstützt. Wir reisen als Fraktion nach Helsinki, um zu erfahren, wie Finnland das geschafft hat. Wie gelingt es, Schüler*innen optimal auf ihr Leben vorzubereiten, ohne sie durch übersteigerte Leistungsstandards unter Druck zu setzen? In Hamburg, ebenso wie in ganz Deutschland, haben wir es leider oft noch mit einer verkrusteten Vorstellung von Bildung zu tun, die allein auf das Erzielen bestmöglicher Bewertungen in abgegrenzten Schulfächern setzt. So kommen Selbstbestimmung ebenso wie ganzheitliches, problemorientiertes Lernen häufig zu kurz. Finnland gilt hier als leuchtendes Gegenbeispiel – umso gespannter bin ich auf die konkrete Ausgestaltung vor Ort.“

Bilanz nach Finnlandreise

Lorenzen: „Helsinki sollte uns bei Bildung und Stadtentwicklung Vorbild sein“

 

Auf ihrer Helsinki-Reise hat sich die Grüne Fraktion Hamburg intensiv mit dem finnischen Bildungssystem auseinandergesetzt. Dafür besuchten die Abgeordneten Bildungseinrichtungen, die sich durch moderne Unterrichtsformen auszeichnen und Zentren lebendiger Quartiere sind, etwa die Schule Jätkäsaari auf dem Gebiet eines früheren Industriehafens oder die Vesala Comprehensive School am Stadtrand. Ein Gespräch mit der linken Bildungsministerin Li Andersson, die sich seit langem für eine progressive Bildungspolitik einsetzt, rundete das viertägige Bildungsprogramm ab. Für die Grüne Fraktion steht fest: Finnland ist auch deswegen Bildungsvorreiter in Europa, weil es die persönliche Entwicklung aller Schüler*innen  in den Mittelpunkt eines wirklich inklusiven Schulsystems stellt und optimale Lernräume sowie die passende Infrastruktur dafür geschaffen hat.

Dazu Dominik Lorenzen, Vorsitzender der Grünen Fraktion Hamburg: „Unsere Helsinki-Reise war gleich in mehrfacher Hinsicht lehrreich, wir kehren mit einem Koffer voller Inspiration zurück. Die finnischen Schulen machen vor, wie gut gestaltete Lernräume zu erfolgreichem Lernen und gemeinschaftlichem Miteinander einladen. Statt klassischem Frontalunterricht bieten diese Räume Platz für progressivere, phänomenbezogene Formen des Lernens. Hochwertige Architektur, viel Licht in den Gebäuden sowie eine flexible, sinnvolle Gestaltung von Klassen- und Aufenthaltsräumen können die Lernqualität verbessern. Zugleich fungieren die Schulen, die wir in Helsinki besuchen durften, auch als Treffpunkte für das gesamte Quartier: Soziale Angebote für Alle finden in den Schulgebäuden statt, Spielplätze auf den Schulhöfen sind auch nach Schulschluss für die Nachbarschaft zugänglich. Helsinki macht deutlich: Wachsende Metropolen benötigen kreative Lösungen für eine vielfältige effiziente Nutzung öffentlicher Gebäude und Freiflächen. Das gilt genauso für Hamburg. Helsinki sollte uns sowohl in Bildung als auch Stadtentwicklung Vorbild sein.“


Dazu Ivy May Müller, schulpolitische Sprecherin der Grünen Fraktion Hamburg: „Auf unserer Fraktionsreise durften wir erleben, wie ein gerechteres Bildungssystem erfolgreich funktioniert. Finnland lebt echte Inklusion: Jedes Kind bekommt die individuelle Förderung, die es braucht, ohne komplizierte Diagnostik. Kindern lernen bis zur neunten Klasse zusammen gelernt, ganz ohne Selektion. Außerdem ist die Schule hier Ausgangspunkt eines selbstbestimmten Lebens für jedes Kind. Im Unterricht steht die ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung der Schüler*innen im Fokus – so gibt es ein Fach, das sich ihrer mentalen Gesundheit, sozialen Fähigkeiten sowie Problemen widmet. Und es gibt Lehrkräfte, die einzig für Beratungsgespräche über ihre Zukunft für die Schüler*innen ab der Unterstufe zur Verfügung stehen.
 Nicht zuletzt war der persönliche Austausch mit  der linken Bildungsministerin Li Andersson gewinnbringend, die sich der strukturellen Bekämpfung von Ungerechtigkeiten im Bildungssystem in einer kapitalistischen Gesellschaft verschrieben hat. In Hamburg, ebenso wie in ganz Deutschland, fokussieren wir uns zu oft auf vergleichende Bewertungen und produzieren damit übermäßigen Leistungsdruck. Von Finnland lernen heißt auch: strukturelle Ungerechtigkeit im Kapitalismus anerkennen und durch ein inklusives Bildungssystem bekämpfen, das es allen ermöglicht, sich zu entfalten.“

Miriam Putz, Dominik Lorenzen, Andrea Nunne, Olaf Duge auf dem Weg nach Helsinki
Miriam Putz, Dominik Lorenzen, Andrea Nunne, Olaf Duge auf dem Weg nach Helsinki
Für mehr nachhaltige Bildung in Helsinki. Hier in "Oodi" mit  meiner für Bildungspolitik zuständigen Kollegin Ivy May Müller.
Für mehr nachhaltige Bildung in Helsinki. Hier in "Oodi" mit meiner für Bildungspolitik zuständigen Kollegin Ivy May Müller.
Bildung im Oodi bedeutet musizieren, schachspielen, selbermachen, lesen ...,
Bildung im Oodi bedeutet musizieren, schachspielen, selbermachen, lesen ...,

Ein Wohnzimmer für alle

Finn*innen sind das glücklichste Volk auf Erden.

Ausserdem gibt es in Helsinki Oodi. 

Oodi lässt sich nicht übersetzen. Bibliothek griffe zu kurz. Oodi ist ein wunderbares riesiggroßes Wohnzimmer für alle. Zum kostenlosen Benutzen für alle. Musikinstrumente und Sportgeräte ausleihen. Ausprobieren was zu mir passt. Bücher ausleihen. Tonstudio, 3D-Drucker, Räume zum Kochen oder für Virtual Reality. Nähmaschinen nutzen. Braucht man doch nicht alles selbst zuhause. Aber Hamburg braucht ein #Oodi !

Ein neues Wohnzimmer für alle. Ein Haus der Bildung. Gemeinsam nachhaltig nutzen.